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Ich hatte lange Zeit einen Wunsch, der sich wohl liest, wie der feuchte Traum eines Top-Managers in Stufe 4 auf dem Weg zum totalen Burnout. Ich wollte unbedingt einen zweiten Schreibtisch haben. Einen für den Computer und einen zum Zeichnen. Klar getrennte Arbeitsflächen, damit sich beide Tätigkeiten nicht in die Quere kommen können. Der Zeichentisch zum Schrägstellen, der Computertisch gerade und etwas tiefer, insgesamt 300 × 75 cm matt weiß lackierte IKEA-Qualität. Ein Traum für den engagierten Workaholic.

In Hildesheim hatte ich nun endlich genug Platz für dieses Vorhaben und kaufte schnell einen zweiten Schreibtisch. Mein Zimmer sah aus, wie ein Büro oder – netter ausgedrückt – wie ein Atelier. letztendlich blieb ich dann doch meistens am Computertisch hängen, auch zum Malen oder Zeichnen. Der andere Tisch wechselte sich in seiner Verwendung zwischen Zeichentisch – Ablagefläche – Computertisch – Esstisch …. Am Ende stand er meistens leer.

Vorgestern beschloss ich endlich, meinen Computertisch abzubauen und mich von meinem 24″-Monitor endgültig zu verabschieden. Das Ding störte mich eh schon länger, da das Notebook für die meisten Aufgaben ausreicht und nicht soviel Platz auf dem Schreibtisch verschwendet. Ohne den Monitor braucht man nur den Platz für das Notebook und kann es zum Zeichnen bei Bedarf zur Seite stellen. Mein Zimmer wirkt nun nicht mehr wie ein Büro, sondern wesentlich heimischer und gemütlicher. Ich habe nun einen Blick aus dem Fenster und nicht mehr gegen eine Wand. Bei Bedarf kann ich den Monitor auch aus seiner Funktion als Fernseher zum Arbeitsgerät befördern und ihn einfach auf den Schreibtisch stellen. Warum nicht früher so?

Alle reden von der Reduktion von Ablenkung, der Fokussierung auf eine einzelne Aufgabe und davon, sich ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen. Ich glaube, mit dem Rausschmiss meines Monitors ist mir das hervorragend gelungen. Die Dokumentenablage wurde auch endgültig in Rente geschickt und meinen großen Computer habe ich schon vor einem Jahr verschenkt, obwohl er wesentlich schneller als das Notebook war – aber unpraktisch. Vielleicht war es auch einfach nur Zeit, den Mac von seinem Thron zu stoßen und seinen Rang auf den eines Arbeitsgerätes von vielen zu degradieren, was ich unterbewusst sowieso schon die ganze Zeit gemacht habe. Weg vom Maschinenraum, hin zum anarchistisch-friedlichen Miteinander auf dem Schreibtisch mit all seinen Werkzeugen, die gemütlich beieinander in alten Kaffeetassen darauf warten, dass ich nach ihnen greife, um sie zum Einsatz zu bringen.

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